Burnout-Risikofaktoren verstehen: Stress, Erschöpfung und wie Sie vorbeugen können
- Alexander Morgen

- 15. Feb.
- 4 Min. Lesezeit

Sie engagieren sich. Sie übernehmen Verantwortung. Sie möchten Ihre Aufgaben gut erfüllen, im Beruf wie im Privatleben. Und vielleicht spüren Sie seit einiger Zeit: Die Kraft reicht nicht mehr wie früher. Erholung stellt sich kaum noch ein, selbst nach freien Tagen. Die innere Anspannung bleibt bestehen.
Burnout entsteht selten plötzlich. Meist entwickelt er sich schleichend – aus dauerhaftem Stress, fehlender Regeneration und bestimmten inneren Mustern. Wer die zentralen Burnout Risikofaktoren kennt, kann frühzeitig gegensteuern und verhindern, dass aus Belastung chronische Erschöpfung wird.
Wann wird aus Stress chronische Erschöpfung?
Stress ist zunächst eine normale und sinnvolle Reaktion unseres Körpers. Er hilft uns, Herausforderungen zu bewältigen, steigert kurzfristig die Leistungsfähigkeit und mobilisiert Energie. Problematisch wird Stress jedoch dann, wenn er nicht mehr von ausreichender Erholung abgelöst wird.
Wenn Anforderungen dauerhaft höher sind als die verfügbaren Ressourcen, gerät das innere Gleichgewicht aus der Balance. Anspannung wird zum Dauerzustand, Pausen werden verschoben oder innerlich nicht mehr als erholsam erlebt. Mit der Zeit können sich körperliche und emotionale Erschöpfung einstellen, die Konzentration lässt nach, Schlafstörungen treten auf und psychosomatische Beschwerden nehmen zu. Genau hier beginnen häufig die ersten Stadien eines Burnouts.
Zentrale Burnout Risikofaktoren
Burnout betrifft häufig besonders engagierte und verantwortungsbewusste Menschen. Einer der wichtigsten Burnout Risikofaktoren ist eine anhaltende Überlastung. Wenn das Arbeitspensum dauerhaft hoch ist und Regenerationsphasen fehlen, erschöpfen sich die eigenen Kräfte schrittweise. Dabei geht es nicht nur um die Anzahl der Arbeitsstunden, sondern auch um die Intensität der Verantwortung und die emotionale Beanspruchung.
Ein weiterer Risikofaktor liegt in inneren Antreibern. Perfektionismus, ein starkes Pflichtgefühl oder der Wunsch, es allen recht zu machen, können langfristig erheblichen Druck erzeugen. Wer nur schwer Nein sagen kann oder eigene Bedürfnisse regelmäßig zurückstellt, überschreitet häufig die eigenen Grenzen, ohne es zunächst bewusst wahrzunehmen.
Auch fehlende Wertschätzung oder mangelnde Kontrolle über Arbeitsabläufe erhöhen das Risiko. Wenn Erwartungen unklar bleiben oder das Gefühl entsteht, keinen Einfluss auf wichtige Entscheidungen zu haben, verstärkt sich das Stresserleben erheblich. Hinzu kommt die zunehmende Vermischung von Berufs- und Privatleben. Ständige Erreichbarkeit verhindert echte Erholung, weil das Stresssystem dauerhaft aktiviert bleibt.
Private Belastungen wie familiäre Konflikte, Pflege von Angehörigen oder andere Lebenskrisen können vorhandene Ressourcen zusätzlich schwächen. Entscheidend ist dabei selten ein einzelner Faktor, sondern meist das Zusammenwirken mehrerer Belastungen über längere Zeit.
Frühwarnzeichen ernst nehmen
Burnout kündigt sich in der Regel nicht durch einen plötzlichen Zusammenbruch an. Vielmehr zeigen sich zunächst subtile Veränderungen. Viele Betroffene berichten, dass sie sich trotz ausreichendem Schlaf nicht mehr erholt fühlen. Aufgaben, die früher leichtfielen, kosten übermäßig viel Kraft. Reizbarkeit nimmt zu, Freude und Motivation gehen zurück. Zudem entsteht eine innere Distanz zur eigenen Arbeit, die einem früher wichtig war.
Diese Warnsignale sind keine Schwäche, sondern wichtige Hinweise Ihres Körpers und Ihrer Psyche. Je früher sie ernst genommen werden, desto größer ist die Chance, gegensteuernde Maßnahmen wirksam umzusetzen.
Burnout oder Depression?
Häufig stellt sich die Frage, ob es sich noch um ein Burnout handelt oder bereits um eine Depression. Burnout ist in seiner Entstehung meist eng mit beruflicher Überlastung verbunden und äußert sich vor allem in Erschöpfung und Distanzierung im Arbeitskontext. Eine Depression betrifft hingegen in der Regel mehrere Lebensbereiche und geht mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit einher.
In der Praxis ist die Abgrenzung jedoch nicht immer eindeutig. Zudem kann ein länger unbehandeltes Burnout in eine depressive Episode übergehen. Deshalb ist eine sorgfältige Einordnung der Symptome wichtig, insbesondere wenn die Beschwerden über Wochen anhalten oder sich verstärken.
Wie Sie vorbeugen können
Burnout ist kein unabwendbares Schicksal. Ein zentraler Schritt besteht darin, die eigene Belastung realistisch einzuschätzen. Es kann hilfreich sein, sich bewusst zu fragen, wo Sie dauerhaft zu viel übernehmen und welche Erwartungen tatsächlich notwendig sind.
Grenzen zu setzen ist ein weiterer entscheidender Faktor. Nein zu sagen bedeutet nicht, andere im Stich zu lassen, sondern Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Ebenso wichtig ist es, Regeneration nicht dem Zufall zu überlassen. Erholungszeiten, Bewegung und soziale Kontakte sollten einen festen Platz im Alltag erhalten.
Darüber hinaus lohnt es sich, eigene innere Antreiber zu reflektieren. Welche Überzeugungen erzeugen zusätzlichen Druck? Müssen wirklich alle Erwartungen erfüllt werden? Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann entlastend wirken und neue Handlungsspielräume eröffnen.
Nicht zuletzt kann es sehr hilfreich sein, Unterstützung anzunehmen. Gespräche mit vertrauten Menschen oder professionelle Begleitung ermöglichen es, Belastungsmuster klarer zu erkennen und konkrete Veränderungen zu planen.
Psychotherapeutische Begleitung bei Burnout-Risiko
In meiner Praxis arbeite ich mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen sowie hypnotherapeutischen Elementen. Ziel ist es, belastende Denkmuster zu identifizieren, innere Antreiber zu verstehen und praktikable Veränderungen im Alltag zu entwickeln. Gemeinsam betrachten wir, welche Burnout Risikofaktoren in Ihrer individuellen Situation besonders wirksam sind und wie Ihre persönlichen Ressourcen gestärkt werden können.
Burnout ist kein persönliches Versagen. Oft ist er ein deutliches Signal dafür, dass das bisherige Gleichgewicht nicht mehr tragfähig ist. Dieses Signal kann – bei aller Belastung – auch eine Chance sein, Prioritäten neu zu ordnen und langfristig gesündere Strukturen zu entwickeln.
Wann Sie handeln sollten
Wenn Erschöpfung über mehrere Wochen anhält, Ihre Leistungsfähigkeit spürbar sinkt, sozialer Rückzug zunimmt oder sich Gedanken an Ausweglosigkeit einstellen, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Je früher Belastungen erkannt werden, desto besser lassen sich ernsthafte Folgen vermeiden.
Burnout Risikofaktoren zu verstehen ist der erste Schritt. Der zweite besteht darin, Verantwortung für Ihre psychische Gesundheit zu übernehmen.
Wenn Sie sich in diesen Beschreibungen wiederfinden, kann ein klärendes Gespräch helfen, Ihre Situation realistisch einzuordnen und neue Wege zu entwickeln. Hierzu können Sie sich gern an mich wenden. Ein unverbindliches Erstgespräch kann bereits entlastend wirken.


