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Herbstblues oder Depression? Wenn die dunkle Jahreszeit auf die Stimmung drückt

Autorenbild: Alexander Morgen
Alexander Morgen
vor 1 Tag
4 Min. Lesezeit

Herbstlicher Wald im diffusen Gegenlicht mit einem einsamen Weg als Sinnbild für Herbstblues und saisonale Depression

Mit dem Ende der Sommerzeit am 25. Oktober beginnt für viele Menschen eine Phase, in der es morgens kaum noch hell wird und der Feierabend im Dunkeln beginnt. Dass die Stimmung in dieser Zeit schwankt, ist weit verbreitet und zunächst kein Grund zur Sorge. Zugleich stellen sich viele Betroffene die Frage, ob es sich bei ihrer Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit noch um eine normale jahreszeitliche Verstimmung handelt oder bereits um eine behandlungsbedürftige Depression. Dieser Beitrag erläutert, woran sich der Unterschied erkennen lässt.


Herbstblues: eine verbreitete und meist vorübergehende Verstimmung


Unter dem Begriff Herbstblues wird eine leichte, vorübergehende Verstimmung verstanden, die mit abnehmendem Tageslicht auftritt. Typisch sind ein gesteigertes Schlafbedürfnis, nachlassende Energie, eine geringere Motivation für Aktivitäten im Freien und eine gewisse Wehmut. Entscheidend ist, dass der Alltag dabei weitgehend bewältigt werden kann. Arbeit, soziale Kontakte und Verpflichtungen bleiben möglich, und auch Freude am Schönen oder Angenehmen ist nach wie vor spürbar. Häufig bessert sich die Stimmung nach einigen Wochen, sobald sich der Körper auf die veränderten Lichtverhältnisse eingestellt hat.


Depression: mehr als eine schlechte Stimmung


Eine depressive Episode unterscheidet sich vom Herbstblues in Dauer, Ausprägung und Auswirkung auf das Leben. Nach den gängigen diagnostischen Kriterien gelten gedrückte Stimmung, der Verlust von Interesse und Freude sowie ein verminderter Antrieb als Hauptsymptome. Hinzu können Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Appetitveränderungen oder Gedanken der Hoffnungslosigkeit kommen. Von einer Depression wird in der Regel dann gesprochen, wenn mehrere dieser Symptome über mindestens zwei Wochen nahezu täglich bestehen und die Bewältigung des Alltags spürbar beeinträchtigen. Während beim Herbstblues also eine Verstimmung mit erhaltener Funktionsfähigkeit vorliegt, ist die Depression durch einen anhaltenden Verlust von Lebensfreude und Handlungsfähigkeit gekennzeichnet.


Saisonale Depression oder Herbstdepression: wenn der Jahreslauf zum Auslöser wird


Zwischen beiden Zuständen steht die saisonale Depression, im Alltag oft als Herbstdepression oder Winterdepression bezeichnet. Sie ist keine bloße Verstärkung des Herbstblues, sondern eine depressive Erkrankung, die in aufeinanderfolgenden Jahren jeweils in der lichtarmen Jahreszeit auftritt und im Frühjahr wieder abklingt. Auffällig ist, dass sich das Beschwerdebild häufig von der klassischen Depression unterscheidet: Betroffene schlafen deutlich mehr als sonst, fühlen sich dennoch erschöpft, verspüren Heißhunger auf Kohlenhydrate und nehmen an Gewicht zu. Schätzungen zufolge ist ein kleinerer, aber relevanter Teil der Bevölkerung in Mitteleuropa betroffen, wobei Frauen häufiger Beschwerden schildern als Männer.

Als wesentlicher Mechanismus gilt der Einfluss des Tageslichts auf die innere Uhr. Weniger Licht verändert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, verschiebt den Tag-Nacht-Rhythmus und steht nach heutigem Verständnis zudem im Zusammenhang mit einer veränderten Aktivität des Botenstoffs Serotonin, der für die Stimmungsregulation bedeutsam ist. Bei Menschen mit entsprechender Veranlagung kann diese Verschiebung ausreichen, um eine depressive Episode auszulösen.


Was Sie selbst für Ihre Stimmung tun können


Bei einer leichten Verstimmung lassen sich oft schon durch einfache Maßnahmen spürbare Verbesserungen erzielen. Wesentlich ist zunächst der Aufenthalt im Tageslicht, auch an bewölkten Tagen, da die Lichtintensität im Freien selbst dann deutlich höher liegt als in Innenräumen. Ein Spaziergang in der Mittagspause oder am Vormittag unterstützt die innere Uhr. Hinzu kommen regelmäßige Schlafenszeiten, körperliche Bewegung, ein strukturierter Tagesablauf und die bewusste Pflege sozialer Kontakte, auch dann, wenn der Rückzug zunächst naheliegender erscheint. Gerade die Aufrechterhaltung angenehmer Aktivitäten wirkt dem Teufelskreis aus Antriebslosigkeit und Rückzug entgegen.


Für die saisonale Depression ist zudem die Lichttherapie ein etabliertes Verfahren. Dabei halten sich Betroffene morgens für etwa dreißig Minuten vor einer Speziallampe mit hoher Lichtstärke auf. Sie sollte nach Möglichkeit mit ärztlicher Beratung eingesetzt werden, insbesondere bei Augenerkrankungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente.


Wann professionelle Unterstützung angezeigt ist


Eine unbehandelte Depression bleibt selten folgenlos. Je länger Rückzug, Grübeln und Antriebslosigkeit andauern, desto stärker verfestigen sich diese Muster, desto mehr leiden Leistungsfähigkeit, Beziehungen und Selbstwertgefühl, und desto größer ist das Risiko, dass die Beschwerden in den Folgejahren erneut auftreten oder sich chronifizieren. Hinzu kommt, dass sich eine saisonale Depression ohne Behandlung in aller Regel jedes Jahr wiederholt.


Hier setzt die psychotherapeutische Arbeit an. Die kognitive Verhaltenstherapie nutzt den engen Zusammenhang zwischen Denken, Verhalten und Stimmung: Durch den schrittweisen Wiederaufbau angenehmer und sinnstiftender Aktivitäten wird der Kreislauf aus Rückzug und Niedergeschlagenheit unterbrochen, und belastende Denkmuster werden überprüft und verändert. Ergänzend können hypnotherapeutische Verfahren dazu beitragen, Schlaf, innere Anspannung und die Fähigkeit zur Entspannung zu verbessern. Wer die eigenen Warnzeichen und Strategien kennt, kann dem nächsten Herbst deutlich gelassener begegnen.


Angezeigt ist professionelle Unterstützung insbesondere dann, wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten, wenn Alltag, Beruf oder Beziehungen spürbar leiden, wenn die Freude an nahezu allem verloren gegangen ist oder wenn sich die Symptome Jahr für Jahr wiederholen. Da auch körperliche Ursachen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen oder ein Vitamin-D-Mangel ähnliche Beschwerden hervorrufen können, empfiehlt sich zudem eine ärztliche Abklärung. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, sollte umgehend Hilfe in Anspruch genommen werden, in Deutschland rund um die Uhr und kostenfrei über die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder im akuten Notfall über den Notruf 112.


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In meiner Praxis in Trier begleite ich Menschen aus der Region Trier sowie aus dem benachbarten Luxemburg mit kognitiver Verhaltenstherapie und Hypnotherapie. Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch und klären Sie gemeinsam, welche Unterstützung für Sie sinnvoll ist.

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